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GTK Boxer
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Das Gepanzerte Transport-Kraftfahrzeug, kurz GTK Boxer (Schreibweise beim Hersteller: âBOXERâ), ist ein Radpanzer, der von Artec, einem Gemeinschaftsunternehmen von Rheinmetall und KNDS Deutschland (bis MĂ€rz 2024 Krauss-Maffei Wegmann GmbH & Co. KGcite-ref-3[3]), hergestellt wird. Die Besonderheit des GTK Boxer ist der Aufbau aus einem achtrĂ€drigen Fahrmodul, auf das ein austauschbares Missionsmodul aufgesetzt wird. Der Boxer kann somit fĂŒr unterschiedliche Aufgaben wie Transport-, SanitĂ€ts-, Artillerie- (RCH 155) oder SchĂŒtzenpanzer ausgerĂŒstet werden. Er ist seit 2011 bei der Bundeswehr und seit 2013 beim niederlĂ€ndischen Heer im Einsatz, weitere Nutzer sind das britische, litauische und das australische Heer.
Contents
âą Entwicklung
âą Produktion
âą Technik
âą Aufbau
âą Technische Daten
âą Missionsmodule
âą Maschinenkanone
âą Pionierfahrzeug
âą Nutzer
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Entwicklung
Im April 1995 vereinbarten Frankreich, Deutschland und GroĂbritannien, zusammen ein allradgetriebenes 8Ă8-Radfahrzeug zu entwickelncite-ref-4[4]. Frankreich zog sich im Sommer 1999 wieder aus der Zusammenarbeit zurĂŒck, um mit dem VBCI ein eigenes Fahrzeug zu entwickeln. Im selben Jahr bildete sich ein Konsortium unter dem Namen Artec (Armoured Vehicle Technology), das ursprĂŒnglich aus dem niederlĂ€ndischen Hersteller Stork, dem britischen Alvis, Rheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann (seit April 2024 KNDS Deutschland) bestand. Dieses Konsortium entwickelte einen 6Ă6-Technologiedemonstrator, der einige Eigenschaften des geplanten GTK erproben und demonstrieren sollte. Im Jahr 1999 wurde der Entwicklungsvertrag, der eine Option fĂŒr eine erste Serienfertigung von 600 StĂŒck ab 2005 vorsah, unterzeichnet sowie die Artec GmbH mit Sitz in MĂŒnchen gegrĂŒndet und mit der Entwicklung beauftragtcite-ref-5[5]. Der erste von acht Prototypen wurde im Jahr 2001 fertiggestellt. Daraufhin stiegen die Niederlande mit einer Bestellung von 200 Fahrzeugen in das unter dem Produktnamen Boxer vermarktete Programm ein. Einen erheblichen RĂŒckschlag gab es im Jahr 2003, als GroĂbritannien aus dem Programm ausstieg. Das Fahrzeug sollte im Vereinigten Königreich nicht mit dem Future Rapid Effect System (FRES) konkurrieren.
Im Februar 2006 gab Artec den Serienpreis des Boxers bekannt, der allerdings von den Niederlanden und Deutschland als zu hoch und inakzeptabel zurĂŒckgewiesen wurde. Aufgrund der Wichtigkeit des binationalen Programms, auch fĂŒr die Industrie, wollte Deutschland allerdings weitere Preisverhandlungen unternehmen, wogegen die Niederlande nach einer Meldung der Janeâs Information Group einen RĂŒckzug und eine Neuausschreibung in Betracht zogen. Dieses Vorhaben wurde jedoch nicht umgesetzt. Ende Juni 2006 entschied das niederlĂ€ndische Parlament, nach DurchfĂŒhrung einer Marktsichtung fĂŒr alternative 8x8 Fahrzeuge, eine FortfĂŒhrung des Programms und bewilligte gleichzeitig die Ausgaben fĂŒr 200 Fahrzeuge.cite-ref-boxer-nl-6-0[6] Laut einem Bericht der Zeitung Die Welt im August 2006 rechnete das deutsche Verteidigungsministerium mit Kosten von 891 Millionen Euro fĂŒr die 272 Boxer, mit denen die Bundeswehr ausgerĂŒstet werden sollte.cite-ref-welt-de-7-0[7] Im Dezember 2006 genehmigte der Deutsche Bundestag die Beschaffung von insgesamt 272 GTK Boxer. Der Vertrag wurde im Dezember 2006 in der Bernardkaserne im niederlĂ€ndischen Amersfoort unterzeichnet. 2010 ĂŒbernahm Rheinmetall den niederlĂ€ndischen Partner Stork, so dass Rheinmetall heute 64 % und KNDS Deutschland (ehemals Krauss-Maffei Wegmann) 36 % der Gesellschaftsanteile von Artec halten.cite-ref-8[8]
Produktion
Leitstandorte der Boxer-Produktion sind das Rheinmetallwerk in Kassel sowie das MĂŒnchner Werk der Firma KNDS Deutschland (ehemals Krauss-Maffei Wegmann). DarĂŒber hinaus sind fĂŒr internationale Kunden ProduktionsstĂ€tten in den Niederlanden, Australien und gegebenenfalls dem Vereinigten Königreich eingerichtet bzw. angekĂŒndigt.cite-ref-9[9] UrsprĂŒnglich sollte die Produktion der Serie im Jahr 2004 anlaufen. Aufgrund der Verzögerungen durch den Ein- und Ausstieg der Teilnehmerstaaten und technische Modifikationen verschob er sich jedoch auf 2008. Im September 2009 wurde das erste Serienfahrzeug von Krauss-Maffei Wegmann und Rheinmetall an die OCCAR und das Bundesamt fĂŒr Wehrtechnik und Beschaffung ausgeliefert, wo das Fahrzeug bis zu seiner Indienststellung im MĂ€rz 2011 unter Einsatzbedingungen getestet wurde.cite-ref-10[10] Im Juli 2018 lief das 200. und letzte Fahrzeug des ersten niederlĂ€ndischen Loses bei Rheinmetall MAN Military Vehicles Nederland von der ProduktionsstraĂe. Im Jahr 2017 begannen die Lieferungen fĂŒr die litauischen StreitkrĂ€ftecite-ref-11[11]. Im Februar 2019 lieferte Artec den insgesamt 500. Boxer aus.cite-ref-12[12] Im Juni 2021 wurde das letzte Fahrzeug des zweiten deutschen Loses und damit der vorerst letzte Boxer in der Variante GTFz von Artec an das BAAINBw geliefertcite-ref-13[13].
Technik
Aufbau
Das Fahrzeug ist modular aufgebaut und besteht aus einem Fahrmodul und einem auf dem Heck aufgesetzten variantenspezifischen Missionsmodul. Die Kernkomponenten des Fahrmoduls sind das allradgetriebene 8Ă8-Fahrwerk, die ABC-Schutzanlage und das im vorderen GehĂ€use befindliche Triebwerk mit danebenliegendem Fahrerraum. Der Fahrer sitzt dabei rechts und verfĂŒgt ĂŒber eine Dachluke sowie drei Winkelspiegel, der mittlere kann durch ein NachtsichtgerĂ€t ersetzt werden. Ab der Version A2 wird der Fahrer durch ein Kamerasystem unterstĂŒtzt. Links neben dem Fahrer befindet sich der Triebwerksraum, der ĂŒber eine Feuerlöschanlage verfĂŒgt. Eine zentrale Reifendruckregelanlage gehört zum Standard. Der Fahrerraum verfĂŒgt ĂŒber einen Durchgang zum Missionsmodul, das gasdicht mit diesem abschlieĂt. Das Missionsmodul kann innerhalb einer halben Stunde gegen ein anderes ausgetauscht werden und wiegt bis zu vierzehn Tonnen. Die verschiedenen Module verfĂŒgen ĂŒber eine ABC-SchutzbelĂŒftung. FĂŒr das Fahrzeug wurden möglichst viele herkömmliche Bauteile (commercial off-the-shelf) verwendet, um die Kosten zu senken.
Panzerung und Schutzsysteme
Fahrmodul und Missionsmodul werden als GehÀuse mit adaptierter Panzerung gefertigt. Diese Konstruktion ermöglicht neben einer Reduzierung der Infrarotsignatur, durch einen Luftspalt zwischen Grund- und Adaptionspanzerung, das schnelle Austauschen beschÀdigter Elemente beziehungsweise das Anpassen an das benötigte Schutzniveau.cite-ref-14[14]
Die Panzerung besteht aus der Grundpanzerung (Panzerstahl) und der von IBD Deisenroth Engineering entwickelten Verbundpanzerung AMAP (Advanced Modular Armour Protection), die schockgedĂ€mpft (mit Shock-mounts genannten Gummielementen) auf der Grundpanzerung befestigt wird. AMAP besteht aus einer TrĂ€gerschicht (backing), der aufgeklebten Keramikschicht sowie einer Abdeckschicht und ist eine Weiterentwicklung der Mexaspanzerung. Der Innenraum des Boxers ist mit Gewebematten (Spall-Liner, AMAP-L) aus hochfesten Fasern wie Aramid (Kevlar) ausgekleidet, um den Splitterkegel bei einem Durchschlagen der Panzerung zu reduzieren oder komplett zu verhindern. Der ballistische Schutz (AMAP-B) schĂŒtzt die Besatzung gegen Beschuss mit mittleren Kalibern sowie gegen Einwirkung von Artilleriesplittern (Kaliber 155 mm) sowie Bomblets und hĂ€lt gemÀà Hersteller auch mehreren Treffern an derselben Stelle stand. DarĂŒber hinaus verfĂŒgt der Boxer ĂŒber einen Minenschutz (AMAP-M und AMAP-IED),cite-ref-15[15] der die Forderung der Klasse IIIb nach STANAG 4569 erfĂŒllt, was einer Sprengkraft von acht Kilogramm TNT entspricht.
WĂ€hrend die Ausbaustufe A1 vorwiegend die Panzerung verbesserte, wird in der Version A2 neben der Panzerung auch der passive Schutz durch eine verbesserte Feuerlöschanlage gesteigert. Fahrzeuge der Niederlande verfĂŒgen ab der AusfĂŒhrung A2 ĂŒber Gewichtsoptimierungen im Bereich des ballistischen Schutzes, wodurch die Gesamtmasse reduziert wird.
Technische Daten
âą Bodenfreiheit: 0,50 m
âą Spurweite: 2,58 m
âą Radstand: 1,55 + 1,90 + 1,55 m
âą Wattiefe: 1,20 m
âą Tiefwaten: 1,50 m (ohne Vorbereitung)
⹠SteigfÀhigkeit: 60 %
âą Max. Querneigung: 30 %
⹠KletterfÀhigkeit: 0,80 m
âą GrabenĂŒberschreitfĂ€higkeit: 2,0 m
âą Wendekreis: 21 m (mit eingelegter Radseitenlenkbremse 16 m)
Das GTK Boxer ist mit Abstand das gröĂte und schwerste Fahrzeug seiner Klasse. Ein Lufttransport in einer C-130 Hercules ist daher nicht möglich. FĂŒr das Fahrzeug wird mindestens ein Airbus A400M zum strategischen Lufttransport benötigt, in dem die Missionsmodule getrennt vom Fahrmodul transportiert werden.
Missionsmodule
Maschinenkanone
Vom Boxer wurden drei Varianten mit Drehturm fĂŒr eine Maschinenkanone bestellt. Sie werden von den jeweiligen Armeen als SchĂŒtzenpanzer (engl. Infantry Fighting Vehicle, IFV), SpĂ€hpanzer oder WaffentrĂ€ger zur FeuerunterstĂŒtzung eingesetzt.
Boxer Samson MK II
Als erstes Land beschaffte Litauen den Boxer als IFV. Aufgrund der Ausstattung dieser Variante mit der fernbedienbaren Waffenstation des Typs Samson MK II des israelischen RĂŒstungsunternehmens Rafael Advanced Defense Systems erhielten die Fahrzeuge vom Hersteller die Bezeichnung GTK Boxer Samson, beim Litauischen Heer wurden sie hingegen unter dem Namen Vilkas eingefĂŒhrt. Die ungeschĂŒtzte Waffenstation wird mit einer 30-mm-Maschinenkanone Bushmaster II Mk44, einem Werfer fĂŒr Panzerabwehrflugkörper Spike LR und einem Maschinengewehr vom Kaliber 7,62-mm eingesetzt. Andere Bewaffnungen sind jedoch möglich. Der GTK Boxer Samson kann, neben dem Fahrer, dem Kommandanten und dem RichtschĂŒtzen, bis zu 8 Soldaten transportieren.cite-ref-18[18]cite-ref-19[19]
Boxer mit LANCE-Turmsystem
AusgerĂŒstet mit dem Lance-Turm prĂ€sentierte Rheinmetall auf der Eurosatory 2010 ihre Variante eines Boxer mit Maschinenkanone. Der Turm ist mit der MK30-2/ABM und einem Maschinengewehr bestĂŒckt. Das Fahrzeug verfĂŒgt darĂŒber hinaus ĂŒber einen integrierten Werfer fĂŒr Panzerabwehrlenkflugkörper des Typs Spike LR2. Die Besatzung besteht aus dem Fahrer sowie zwei Soldaten im Turm, die AbsitzstĂ€rke betrĂ€gt bis zu sechs Mann. Im Mai 2012 fĂŒhrte Rheinmetall den voll funktionsfĂ€higen Prototyp im Erprobungszentrum in UnterlĂŒĂ potentiellen Kunden vor.cite-ref-20[20] In Australien wird der Boxer in der AusfĂŒhrung mit dem Lance-Turm in der Funktion als SpĂ€hpanzer (engl. Combat Reconnaissance Vehicle, kurz CRV) mit einer AbsitzstĂ€rke von 6 Infanteristen eingefĂŒhrt.cite-ref-21[21] Bei der Bundeswehr ist die Nutzung der Lance-Boxer ohne AbsitzstĂ€rke als âschwerer WaffentrĂ€ger Infanterieâ (sWaTrInf) zur FeuerunterstĂŒtzung bei den Mittleren KrĂ€ften vorgesehen.
Boxer IFV-RCT30
KNDS Deutschland bietet eine RadschĂŒtzenpanzervariante mit dem unbemannten Turm RCT30 an, wie er auch beim SchĂŒtzenpanzer Puma verwendet wird.cite-ref-22[22] Durch ein C4I-System können die Fahrzeuge in ein FĂŒhrungssystem integriert werden, was die Versorgung der Infanteriesoldaten mit Navigations- und taktischen Informationen ermöglicht. Der Turm verfĂŒgt als Hauptwaffe ĂŒber eine Maschinenkanone MK 30-2/ABM, die SekundĂ€rbewaffnung besteht aus einem koaxialen Maschinengewehr im Kaliber 7,62 Ă 51 mm NATO und einem Werfer fĂŒr Panzerabwehrflugkörper Spike LR/LR2. Die Besatzung besteht aus dem Kommandanten, dem Fahrer sowie einem RichtschĂŒtzen, der Kampfraum bietet laut Hersteller Platz fĂŒr bis zu 7 weitere Soldaten.cite-ref-23[23] Eine Weiterentwicklung von KNDS ermöglicht die BekĂ€mpfung von Klein- und Kleinstdrohnen mittels programmierbarer Air Burst Munition in einer Entfernung von bis zu 1500 m. Bei der Bundeswehr sollen die Boxer RCT30 als RadschĂŒtzenpanzer âSchakalâ fĂŒr die Grenadiere der Mittleren KrĂ€fte eingesetzt werden.
Gruppentransportfahrzeug
Die Boxer Variante als Gruppentransporter (GTFz oder englisch Armoured Personnel Carrier â APC âgepanzertes Mannschaftstransportfahrzeug â gepanzertes MTWâ) verfĂŒgt ĂŒber eine Heckrampe und bietet im Missionsmodul Platz fĂŒr acht Soldaten. Die Bundeswehr verfĂŒgt abweichend ĂŒber eine Konfiguration fĂŒr sieben Soldaten. Auf dem Vorderteil des Moduldaches befindet sich eine Waffenstation, die mit dem Granatwerfer HK GMW oder dem Maschinengewehr Browning M2 ausgerĂŒstet werden kann. An jedem Sitzplatz sind Schnittstellen zur Aktualisierung der Lageinformationen und zum Laden der Akkus der AusrĂŒstung des IdZ angebracht. FĂŒr den Einsatz in Afghanistan wurden die Boxer zur Version A1 aufgerĂŒstet. Diese beinhaltete neben dem ISAF-Tarnanstrich eine zusĂ€tzliche Panzerung sowie eine um 30 cm erhöhte Waffenanlage zur besseren Wirkung.cite-ref-modernes-heer-boxer-auf-dem-weg-nach-afghanistan-24-0[24]
In der deutschen AusfĂŒhrung verfĂŒgt das Fahrzeug ĂŒber einen Wasserkocher und eine Feldtoilette.
Flugabwehrkanonenpanzer
Der Boxer als Flugabwehrkanonenpanzer basiert auf dem Flugabwehrsystem Rheinmetall Skyranger 30. In dem unbemannten Turm ist neben einer 30-mm-Revolverkanone Oerlikon KCE-ABM als Zweitbewaffung ein Werfer fĂŒr Flugabwehrraketen kurzer Reichweite integriert. Mit ihrer Kadenz und PrĂ€zision ĂŒbertrifft die 30-mm-Kanone die Wirkung der zwei Oerlikon 35-mm-KDA-Kanonen im Flugabwehrkanonenpanzer Gepard. Die eigene Sensorik, u. a. mit AESA-Radar und dem passiven Infrarot-Sensor FIRST, kann Ziele rundum (360 Grad) entdecken und verfolgen.
FĂŒhrungsfahrzeug
Die Boxer Variante FĂŒhrungsfahrzeug (FĂŒFz oder Command Post Vehicle [CP]) sind mit einer FĂŒnf-Mann-Besatzung besetzt. Der Boxer CP ist mit einer vollstĂ€ndigen C4I-Umgebung (Command, Control, Communication, Computer and Intelligence) ausgestattet, die auf HF-, VHF- und UHF-FunkgerĂ€ten sowie Breitband-Satellitenkommunikation basiert. Die Systeme können sowohl im mobilen als auch im stationĂ€ren Betrieb eingesetzt werden, wobei mehrere Fahrzeuge hintereinander geschaltet werden können. Flexible Sitzanordnungen, Racks und Regale ermöglichen die Anpassung des Fahrzeugs an spezifische Einsatzanforderungen.cite-ref-25[25]
Die Version der Bundeswehr hat eine GerĂ€teausstattung aus dem FĂŒhrungsinformationssystem des Heeres. Es ist ebenso mit einer FLW 200 und dem schweren Maschinengewehr ausgerĂŒstet. Die deutschen Fahrzeuge verfĂŒgen ĂŒber ein aufblasbares Zelt, welches auf dem Dach des Fahrzeuges mitgefĂŒhrt wird. Um das Zelt zu entladen, verfĂŒgt das Fahrzeug ĂŒber einen kleinen handbetriebenen Windenkran.
Pionierfahrzeug
Die Boxer Pioniervariante (Armoured Engineer Group Vehicle, NiederlĂ€ndisch: Geniegroep (GNPR)) ist ein spezifisches niederlĂ€ndisches Technik- und Logistikfahrzeug, das fĂŒr den Transport von Truppen und PioniergruppenausrĂŒstung eingesetzt wird. Es bietet im Missionsmodul Platz fĂŒr sechs Soldaten und deren persönliche AusrĂŒstung sowie einen zusĂ€tzlichen separaten Stauraum fĂŒr Munition. Sie kann als UnterstĂŒtzungsfahrzeug mit anderen Einheiten eingesetzt werden oder fĂŒr eigenstĂ€ndige Aufgaben, wie z. B. die RĂ€umung von Strecken oder als geschĂŒtzter Arbeitsort bei MinenrĂ€um- oder Sprengarbeiten, verwendet werden.cite-ref-26[26]cite-ref-27[27]
SanitÀtsfahrzeug
FĂŒr das GTK Boxer gibt es zwei unterschiedliche Missionsmodule fĂŒr SanitĂ€tsfahrzeuge (Ambulance)cite-ref-28[28]: eines zur Behandlung (inkl. Intensivtherapie)cite-ref-29[29]cite-ref-30[30] und eines zur Erstversorgung und Verbringung der Patienten.cite-ref-31[31] Beide SanitĂ€tsfahrzeuge sind mit einer anpassbaren Inneneinrichtung ausgestattet, welche adaptierbar ist und individuell bis zu sieben sitzende, zwei liegende und drei sitzende, drei liegende oder nur einen liegenden Patienten aufnehmen kanncite-ref-32[32]. Die Variante fĂŒr die Bundeswehr wird als âschweres geschĂŒtztes SanitĂ€tskraftfahrzeugâ (sgSanKfz) bezeichnet und unter FederfĂŒhrung von KNDS Deutschland (ehemals Krauss-Maffei Wegmann) entwickelt. Die Variante fĂŒr die niederlĂ€ndischen StreitkrĂ€fte wird von Rheinmetall Niederlande entwickelt und als âAmbulance Vehicleâ bezeichnet. Zur Beobachtung des Fahrzeugumfeldes besitzt das sgSanKfz neben der RĂŒckfahrkamera am Heck drei weitere Kameras rund um die Kommandantenluke: eine ist nach vorn gerichtet, die anderen zur linken Fahrzeugseite.cite-ref-33[33]
Transportfahrzeug
Die Boxer Transportfahrzeugvariante (Cargo Vehicle) ist eine spezifisch niederlĂ€ndische Variante, die die Variante YPR-765 des Armored Infantry Fighting Vehicle (AIFV) in den NiederlĂ€ndischen StreitkrĂ€ften ersetzt. Sie ist mit einem speziellen Ladeboden ausgestattet, um die Ladung wĂ€hrend des Transports zu sichern, und kann maximal zwei Standard-Armeepaletten von je einer Tonne transportieren (max. Nutzlast: 2,5 t). Die Paletten werden mittels integriertem Kran geladencite-ref-34[34]. Die Innenausstattung des Fahrzeugs lĂ€sst sich je nach Bedarf an die verschiedenen Einsatzarten anpassen. Die Besatzung besteht aus Kommandant/SchĂŒtze und Fahrer.cite-ref-35[35]cite-ref-36[36]
Fahrschulfahrzeug
Die Fahrschulvariante (Driver Training Vehicle, DTV) baut auf dem GTK Boxer auf und besitzt eine aufgesetzte Kabine fĂŒr den Fahrlehrer. Der Boxer DTV kann neben dem Fahrer eine 4-köpfige Besatzung befördern. Der Fahrlehrer und ein Besatzungsmitglied (z. B. der FahrprĂŒfer) sitzen erhöht in der glĂ€sernen Fahrschulkabine, um die bestmögliche Sicht zu gewĂ€hrleisten. Zwei weitere Besatzungsmitglieder können im hinteren Teil des Missionsmoduls untergebracht werden.cite-ref-37[37]
Weitere Missionsmodule
Das Grundkonzept mit Missionsmodulen fĂŒhrt dazu, dass von der Nutzerseite immer wieder neue Ideen und Forderungen fĂŒr die Realisierung weiterer FĂ€higkeiten auf Basis des Boxer vorgestellt werden. Hierzu gehören u. a. AufklĂ€rung und Beobachtung mit stabilisierter Plattform (Joint Fire Support Team), qualifizierte Fliegerabwehr, u. a. gegen Drohnen und Hubschrauber (Short Range Air Defence) und Infanteriekampf mit bemanntem Turm und Mittelkaliberkanone (Heavy Weapon Platform, vgl. RadschĂŒtzenpanzer). Neben den o. g. Versionen prĂ€sentiert Artec deshalb den militĂ€rischen Kunden weitere VorschlĂ€ge fĂŒr Missionsmodule, zum Teil als funktionsfĂ€hige Demonstratoren, die in Auswertung militĂ€rischer Forderungen konzipiert worden sind.
âą AufklĂ€rung und Beobachtung mit stabilisierter Plattform (Joint Fire Support Team; Im Dezember 2021 wurde ein Entwicklungsauftrag fĂŒr 2 Fahrzeuge erteilt. Weitere 18 Fahrzeuge sollen bis 2027 zulaufen.cite-ref-38[38])
âą BrĂŒckenlegefahrzeug mit Leguan-BrĂŒcke.
âą Flugabwehrraketenpanzer mit dem Flugabwehrraketensystem IRIS-T SLS (Teil des Luftverteidigungssystem Nah- und NĂ€chstbereichsschutz (LVS NNbS))cite-ref-39[39]
âą Laserwaffensystem zur Abwehr von Drohnen und Artilleriegeschossen.
⹠MörsertrÀger.
âą Munitionstransporter.
⹠Raketenwerfer zur ErgÀnzung/Ablösung MARS.
Mit dem einzigen bisher auĂerhalb von Artec entwickelten Missionsmodul hat die FFG Flensburger Fahrzeugbau-Gesellschaft im Jahr 2019 ein Fahrzeug fĂŒr Bergung und Feldinstandsetzung vorgestellt.cite-ref-40[40]
Fahrmodul auf Ketten
Auf der Eurosatory 2022 stellte KMW (seit April 2024 KNDS Deutschland) ein auf eigene Kosten entwickeltes neues Fahrmodul mit Kettenantrieb vor. Mit dem Ketten-Boxer können alle bisherigen Missionsmodule eingesetzt werden. Das Gesamtgewicht steigt auf 45 Tonnen, davon 17 Tonnen fĂŒr das Missionsmodul. KMW (seit April 2024 KNDS Deutschland) zeigte das Fahrzeug mit einem ebenfalls neu entwickelten Modul mit unbemanntem Turm und einer 120-mm-Glattrohrkanone mit Ladeautomat.cite-ref-41[41]cite-ref-42[42]
Nutzer
Es wurden Fahrzeuge mit folgenden Missionsmodulen bestellt (Reihenfolge der LĂ€nder und Module nach bestellter StĂŒckzahl, lĂ€nderspezifische Bezeichnung ggf. in Klammern)cite-ref-43[43]:
| Modul | Deutschland Deutschland | Vereinigtes Konigreich UK | Niederlande Niederlande | Australien Australien | Litauen Litauen | Ukraine Ukraine | Katar Katar | Gesamt |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Gruppentransporter | 256 | 146 | | | | | | 402 |
| FĂŒhrung | 65 | 212 | 36 | 15 | 4 | | | 332 |
| Kanonenturm Lance | 123 (sWaTr) [ 44 ] | | | 133 (CRV) [ 44 ] | | | | 256 |
| Kanonenturm RCT30 | 150 (Schakal) [ 45 ] | | 72 [ 45 ] | | | 9 (AiTO30 FDC) [ 46 ] | 10 [ 46 ] | 241 |
| SanitÀt | 72+38 (sgSanKfz) [ 45 ] | 65 | 52 | | | | | 227 |
| Transport | | 200 | 12 | | | | | 212 |
| Haubitze RCH 155 | 83 [ 47 ] | 1 [ 47 ] | | | | 54 | 12 [ 46 ] | 150 |
| Kanonenturm Samson | | | | | 112 (Vilkas) | | | 112 |
| Pionier | | | 92 | | | | | 0 92 |
| Fahrschule | 10+10 [ 45 ] | | 8 | | 2 | | | 0 30 |
| Joint Fire Support | | | | 29 | | | | 0 29 |
| Flugabwehr Skyranger 30 | 19 | | | | | | | 0 19 |
| Mehrzweck | | | | 13 | | | | 0 13 |
| Instandsetzung | | | | 11 | | | | 0 11 |
| Bergung | | | | 10 | | | | 0 10 |
| Gesamt | 826 | 624 [ 48 ] | 272 | 211 | 118 | 0 63 | 0 22 | 2.136 |
Deutschland Deutschland:
Vier Grundvarianten
In einem ersten Los wurden 272 GTK Boxer in vier Varianten fĂŒr die Bundeswehr beschafft, nĂ€mlich Gruppentransport (125), SanitĂ€t (72), FĂŒhrung (65), und Fahrschule (10).cite-ref-49[49] Im November 2014 wurde bekannt, dass die Bundesregierung die Beschaffung eines zweiten Loses mit 131 Boxern plante, um den Bestand der Bundeswehr auf insgesamt 403 Boxer zu erhöhen.cite-ref-50[50] Im Dezember 2015 beauftragte die internationale Beschaffungsagentur OCCAR im Auftrag des Bundesamtes fĂŒr AusrĂŒstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) Artec mit der Lieferung von 131 GTK Boxer A2 in der Variante âGruppentransportfahrzeug (GTFz)â.cite-ref-51[51]cite-ref-52[52] Gleichzeitig wurde die OCCAR mit der Koordinierung der Kampfwertsteigerung der bereits vorhandenen Boxer zur Ausbaustufe A2 beauftragt.cite-ref-53[53] Im Juni 2021 wurde der letzte neugebaute Boxer an das BAAINBw ĂŒbergeben.cite-ref-54[54] Die zuletzt ausgelieferten Boxer sind im Konstruktionsstand A2, in den Erfahrungen und Modifikationen aus dem Afghanistan-Einsatz eingeflossen sind. Die UmrĂŒstung aller Boxer Ă€lteren RĂŒststands auf die Version A2 sollte bis 2024 abgeschlossen werden. Im November 2025 bestellte die Bundeswehr 38 weitere SanitĂ€ts- und 10 weitere Fahrschul-Boxer.cite-ref-schakal-45-4[45]
Flugabwehrvarianten
2019 beauftragte das BAAINBw die Entwicklung eines Boxer-Moduls zur âqualifizierten Fliegerabwehrâ im Nah- und NĂ€chstbereich. Ziel war die AusrĂŒstung von zunĂ€chst 10 Fahrzeugen zur Drohnenabwehr fĂŒr das deutsche VJTF-Kontingent 2023. Diese sollten mit einem Spexer-Fliegerleitradar von Hensoldt als Sensor und einer fernbedienbaren Waffenstation Protector M151 von Kongsberg mit einem 40-mm-Granatwerfer zum Verschuss von Air-Burst-Munition als Effektor ausgerĂŒstet werden. Die Lieferung war bis Ende 2020 vorgesehen, die Beschaffung wurde jedoch aufgrund zu geringer LeistungsfĂ€higkeit des Systems gestoppt.cite-ref-55[55]
Das Bundesverteidigungsministerium plant, seitdem der massive Einsatz von Drohnen im Russland-Ukraine-Krieg beobachtet werden kann, den Wiederaufbau der Heeresflugabwehrtruppe der Bundeswehr, die im Jahr 2012 auĂer Dienst gestellt wurde. Um die FĂ€higkeitslĂŒcke in der bodengebundenen Luftverteidigung durch das Luftverteidigungssystem Nah- und NĂ€chstbereichsschutz (LVS NNbS) zu schlieĂen, soll das Heer in den nĂ€chsten Jahren als Teil des modularen Systems drei neue Boxer-Varianten erhalten. Im Februar 2024 billigte der Haushaltsausschuss des deutschen Bundestages hierfĂŒr in einem ersten Schritt die Beschaffung eines ersten Loses von 19 Skyranger 30 auf Basis des GTK Boxer (dv. ein Nachweismuster) inkl. 8 Nachladefahrzeuge sowie 8 Werkstattausstattungen und 18 On-Board-Simulatoren.cite-ref-56[56]
DarĂŒber hinaus soll der Vertrag auch eine Bestelloption fĂŒr die spĂ€tere Beschaffung von 30 weiteren Flakpanzern umfassen. Das Nachweismuster fĂŒr den Flakpanzer soll 2024 geliefert werden und die ersten Seriensysteme 2026 an die Truppe gehen. Als Zweitbewaffung soll der auf Drohnenabwehr spezialisierte Lenkflugkörper SADM eingerĂŒstet werden.cite-ref-57[57] Zuvor war die EinrĂŒstung der Flugabwehrrakete Stinger in einer Version mit AbstandszĂŒnder geplant.cite-ref-58[58] ErgĂ€nzt werden soll der Boxer Skyranger im System LVS NNbS durch eine Variante als Flugabwehrraketenpanzer mit dem Flugabwehrraketensystem IRIS-T SLS sowie eine Variante als Feuerleitpanzer. Alle drei Boxer zur Flugabwehr sollen in einem vernetzten System gemeinsam wirken. Im Januar 2024 bewilligte der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages die Entwicklung dieser beiden Varianten. Ein Prototyp des Systems soll nach Plan im Jahr 2028 zur VerfĂŒgung stehen.cite-ref-59[59]cite-ref-60[60]cite-ref-61[61]
Joint Fire Support Team
Im Juni 2021 wurden durch den Bundestag Haushaltsmittel zur Entwicklung zweier neuer Fahrzeuge als Prototypen fĂŒr ein Joint Fire Support Team, schwer freigegeben. Die Prototypen sollten bis 2023 zur VerfĂŒgung stehen und anschlieĂend bis 2027 um 18 weitere Fahrzeuge (insgesamt 10 Teams mit jeweils einem Fahrzeug fĂŒr Boden-Boden- und einem Fahrzeug fĂŒr Luft-Boden-Aufgaben) ergĂ€nzt werden.cite-ref-62[62]cite-ref-63[63]
Schwerer WaffentrÀger Infanterie
Am 23. MĂ€rz 2023 wurde bekannt, dass die deutsche Bundesregierung beabsichtigt, mehr als 100 Fahrzeuge in der Variante mit Lance-Kanonenturm, wie ihn die Australian Army nutzt, als âschwerer WaffentrĂ€ger Infanterieâ (sWaTrInf) zu beschaffen.cite-ref-rh1-boxer-64-0[64] Die Fertigung dieser Gefechtsfahrzeuge soll in dem neu errichteten Rheinmetall-Werk in Ipswich, Queensland und der Zulauf des ersten Fahrzeugs 2025 erfolgen. Das deutsche Heer hat einen Gesamtbedarf von 128 Schweren WaffentrĂ€gern angemeldet. Jedes Infanteriebataillon der neuen Mittleren KrĂ€fte soll fĂŒr die schwere Kompanie zwölf dieser Kampffahrzeuge als Ersatz fĂŒr die WaffentrĂ€ger Wiesel 1 in den Versionen mit Maschinenkanone und Panzerabwehrraketen erhalten.cite-ref-65[65]cite-ref-66[66]cite-ref-67[67]cite-ref-68[68] Im Gegensatz zur australischen Variante und zum ebenfalls geplanten RadschĂŒtzenpanzer soll der sWaTrInf keine Infanteristen transportieren, sondern FeuerunterstĂŒtzung mit der Maschinenkanone und der Panzerabwehr leisten, wĂ€hrend der Kampfraum zum Transport von Munition (perspektivisch auch Loitering Munition) genutzt wird.cite-ref-69[69]cite-ref-defnet-20240320-70-0[70]
Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages genehmigte am 20. MĂ€rz 2024 schlieĂlich die Beschaffung von 123 âSchweren WaffentrĂ€gern Infanterieâ.cite-ref-defnet-20240320-70-1[70] Das erste Nachweismuster des Schweren WaffentrĂ€ger Infanterie wurde am 2. Mai 2024 an die Bundeswehr ĂŒbergeben.cite-ref-71[71] 19 Serienfahrzeuge sollen im Jahr 2025 ausgeliefert werden. Ab 2026 ist eine jĂ€hrliche Lieferung von 25 Fahrzeugen vorgesehen, mit einer Restlieferung von drei Fahrzeugen 2030. Der Vertrag umfasst zudem umfangreiche Zusatzleistungen u. a. die logistische Versorgung in den ersten fĂŒnf Jahren nach Auslieferung des ersten Serienfahrzeugs, die Lieferung von fĂŒnf Gefechtssimulatoren, diverse weitere Ausbildungsanlagen sowie die Kaderausbildung aller mit dem System vertrauten Soldaten und FachkrĂ€fte.cite-ref-72[72]
RadschĂŒtzenpanzer
Im Juni 2024 wurde bekannt, dass die Bundeswehr plant, 150 RadschĂŒtzenpanzer mit dem unbemannten Turm RCT30, wie er auch beim SchĂŒtzenpanzer Puma genutzt wird, zu beschaffen. Diese RadschĂŒtzenpanzer sollen die Fahrzeuge der Grenadiere der neu in Aufstellung befindlichen KrĂ€ftekategorie Mittlere KrĂ€fte werden. Der im Vergleich zum Schweren WaffentrĂ€ger sowie dem SchĂŒtzenpanzer Puma gröĂere Kampfraum bietet Platz fĂŒr sechs voll ausgerĂŒstete Grenadiere samt Gruppenbewaffnung, die das Soldatensystem Infanterist der Zukunft â Erweitertes System (IdZ-ES) nutzen. Die Realisierung des Vorhabens soll ĂŒber die europĂ€ische RĂŒstungsagentur OCCAR erfolgen, um â gemeinsam mit z. B. den Niederlanden â gröĂere StĂŒckzahlen und somit geringere Fahrzeugpreise zu erzielen.cite-ref-73[73]cite-ref-74[74]
Radhaubitze
Verteidigungsminister Boris Pistorius gab bei seinem Besuch im September 2024 in Idar-Oberstein bekannt, dass die Bundeswehr plane, im FrĂŒhjahr kommenden Jahres die Beschaffungsvorlagen fĂŒr neue Radhaubitzen den zustimmungspflichtigen Gremien des Parlaments vorzulegen. Der zu Beginn 2023 erschienen InformationsbroschĂŒre des Heeres âZeitenwende Ukraine-Krieg â Modernisierung der LandstreitkrĂ€fteâ zufolge hat das Heer einen Bedarf von 160 Radhaubitzen.cite-ref-75[75]
Niederlande Niederlande: Das erste Los umfasste ca. 200 StĂŒck in fĂŒnf Varianten fĂŒr das NiederlĂ€ndische Heer. UrsprĂŒnglich wurden 60 FĂŒhrungsfahrzeuge, 52 SanitĂ€tsfahrzeuge, 52 Pionierfahrzeuge, 27 Fahrzeuge in der Transportvariante und 8 Fahrschulfahrzeuge bestellt. Die Niederlande stellten jedoch fest, dass sich das Anforderungskonzept geĂ€ndert hatte und die Anzahl der bestellten Varianten in dieser Hinsicht nicht mehr den tatsĂ€chlichen BedĂŒrfnissen entsprach. Anstelle von Transport- und FĂŒhrungsfahrzeugen wurden zusĂ€tzliche Pionierfahrzeuge benötigt. Im Mai 2016 schlossen OCCAR (als Vertretung der Niederlande) und Artec einen Vertrag ĂŒber einen verĂ€nderten Mix an Fahrzeugen: 92 Pionierfahrzeuge (plus 39), 12 Cargo-Fahrzeuge (minus 15) und 36 FĂŒhrungsfahrzeuge (minus 24).cite-ref-76[76] Im April 2022 teilte das niederlĂ€ndische Verteidigungsministerium mit, dass im Rahmen der Neubeschaffung der EloKa-Systeme in den Jahren 2027 und 2028 auch die aktuellen TrĂ€gerfahrzeuge Fuchs durch 15-30 GTK Boxer ersetzt werden sollen.cite-ref-77[77]
Litauen Litauen: Im Dezember 2015 veröffentlichte das litauische Landesschutzministerium PlĂ€ne, fĂŒr ihre StreitkrĂ€fte den Boxer zu beschaffen. Im Auswahlverfahren, an dem zwölf Hersteller teilnahmen, konnte sich der GTK Boxer am Ende gegen den Stryker und Piranha V durchsetzen. Geplant sind 84 in der Variante RadschĂŒtzenpanzer und vier als FĂŒhrungsfahrzeuge. Anders als beim Erprobungsfahrzeug, einem Boxer mit Puma-Turm von KNDS Deutschland (ehemals KMW), werden Turm und Waffensystem vom israelischen RĂŒstungsunternehmen Rafael Advanced Defense Systems zugeliefert, um die hohen Anschaffungskosten des GTK Boxer zu kompensieren. Der unbemannte, voll stabilisierte Samson Mk II-Turmcite-ref-78[78] hat eine 30-mm-Maschinenkanone Bushmaster II Mk44 und ein Maschinengewehr vom Kaliber 7,62-mm. Als Panzerabwehrlenkwaffe ist die Spike-LR geplant, wovon zwei im Turm mitgefĂŒhrt werden können. Der Turm selbst ist ungepanzert, kann jedoch nach STANAG 4569 bis Level 4 aufgerĂŒstet werden.cite-ref-79[79]cite-ref-80[80] Das MilitĂ€r favorisierte im Vorfeld den Boxer mit Javelin-Panzerabwehrlenkrakete.cite-ref-81[81] Der Vertrag ĂŒber die 88 Fahrzeuge wurde am 22. August 2016 unterzeichnet. Die ersten beiden Fahrschulpanzer wurden im Dezember 2017 geliefert,cite-ref-82[82] die Auslieferung sollte 2021 abgeschlossen sein. Dies war mit einem Umfang von 390 Millionen Euro der bis dahin gröĂte Waffenkauf in der Geschichte der litauischen Armee.cite-ref-83[83]cite-ref-84[84]
Im Dezember 2017 erhielt Litauen die ersten beiden GTK Boxer in der Fahrschulvariante, im Juni 2019 die ersten beiden GTK Boxer in der Variante als Infantry Fighting Vehicles (IFV). Die Fahrzeuge werden in Litauen unter der Bezeichnung IFV Vilkas (Litauisch: Wolf) gefĂŒhrt.cite-ref-85[85]cite-ref-86[86] âDie Anzahl bestellter Fahrzeuge wurde spĂ€ter auf 91 erhöht. Von der Gesamtzahl an Boxern werden 55 als Gruppenfahrzeuge, 18 als ZugfĂŒhrerfahrzeuge und zwölf als KompaniefĂŒhrerfahrzeuge ausgefĂŒhrt. Vier Boxer werden als FĂŒhrungsfahrzeuge ausgestattet. Alle Boxer entsprechen der Konfiguration A2, mit verbesserter Position der fernbedienbaren Waffenstation und verbessertem Schutz, zahlreichen elektrischen Anpassungen zur Vorbereitung neuer Ausstattung wie FahrersichtgerĂ€te, Jammer und Satellitenfunk.âcite-ref-esut-290224-87-0[87] Im Februar 2024 konnte die Lieferung dieses ersten Loses abgeschlossen werden.cite-ref-esut-290224-87-1[87]
Im April 2022 kĂŒndigte Litauen an bis 2027 mehr als eine Milliarde Euro fĂŒr Beschaffungen von Verteidigungsmaterial aus den USA und Deutschland auszugeben und hiermit u. a. mehr als 100 weitere Radpanzer Boxer beschaffen zu wollen. Diese sollen sich ein wenig von den Fahrzeugen des ersten Loses unterscheiden, um Erfahrungen aus dem Krieg in der Ukraine zu berĂŒcksichtigen.cite-ref-88[88]
Im Oktober 2024 erhöhte Litauen die Anzahl bestellter Boxer mit Samson-Kanonenturm um 27 auf 112. Die Fahrzeuge sollen eine zusĂ€tzliche PionierausrĂŒstung erhalten.cite-ref-89[89]
Australien Australien: Im australischen Beschaffungsprogramm Land 400 setzte sich der Boxer als Ersatz fĂŒr 225 SpĂ€hpanzer ASLAV durch. Die angebotene Variante umfasst einen bemannten Lance-Turm mit 30-mm-Kanone von Rheinmetall und ein CâŽISR-System von Northrop Grumman.cite-ref-90[90]cite-ref-91[91]cite-ref-92[92] Aus einem gröĂeren Bewerberfeld kam der Boxer 2016 gemeinsam mit dem Patria AMV35 in die Endauswahl.cite-ref-93[93] Mitte MĂ€rz 2018 verkĂŒndete MinisterprĂ€sident Malcolm Turnbull die Entscheidung fĂŒr 211 Boxer. Die meisten werden in Ipswich (Queensland) gebaut.cite-ref-94[94]cite-ref-95[95] Die Unterzeichnung des Vertrags mit einem Volumen von 2,7 Mrd. Euro folgte im August 2018. 211 der Fahrzeuge sind als SpĂ€hpanzer mit Lance-Turm geplant, die Lieferung ist fĂŒr die Jahre 2019 bis 2026 vorgesehen.cite-ref-96[96] Die ersten Fahrzeuge trafen Mitte Juli 2019 in Brisbane ein.cite-ref-97[97]
ZukĂŒnftige Nutzer
Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich: Nach ihrem Ausstieg aus dem Programm hatte das britische Verteidigungsministerium das GTK Boxer wieder in die engere Auswahl gezogen. So nahm das Fahrzeug neben dem Mowag Piranha und dem VĂ©hicule BlindĂ© de Combat dâInfanterie von GIAT an der Vergleichserprobung zum Future Rapid Effect System teil.cite-ref-boxer-fres-98-0[98] Die Entscheidung war zunĂ€chst fĂŒr Ende November 2007 angekĂŒndigt. Das Kabinett Brown wurde im Januar 2008 umgebildet; Des Browne wurde neuer britischer Verteidigungsminister. Die Entscheidung fiel im Mai 2008 zugunsten des Piranha.cite-ref-britisches-verteidigungsministerium-99-0[99] Es kam jedoch nicht zu einem Vertragsabschluss. Im Oktober 2016 veröffentlichte das britische Verteidigungsministerium als ersten formellen Schritt zu einer Beschaffung von etwa 900 Panzerfahrzeugen eine vorbereitende Leistungsanfrage an die Industrie (âPreliminary Market Engagementâ). Presseberichten zufolge strebe die British Army den Kauf des GTK Boxer an und der Fragenkatalog der Ausschreibung sei auf den Vergleich mit diesem ausgerichtet.cite-ref-100[100]cite-ref-101[101] Am 31. MĂ€rz 2018 gab die britische Regierung (Kabinett May II) die Absicht bekannt, wieder als Projektpartner dem Boxer-Programm beizutreten. Sie plante Verkaufsverhandlungen fĂŒr das Jahr 2019 sowie im Erfolgsfall erste Lieferungen im Jahr 2023. Mindestens 60 % der Produktion inklusive der Endmontage sollen im Vereinigten Königreich stattfinden, das auch das Recht zum Export erhĂ€lt.cite-ref-102[102] Am 4. November 2019 teilte das britische Verteidigungsministerium mit, dass die Regierung â vertreten durch die europĂ€ische Beschaffungsbehörde OCCAR-EA â bei Artec insgesamt 528 GTK Boxer bestellt hatcite-ref-103[103]. Geliefert werden sollen vier Varianten: Truppentransport (Infantry carrier), Lastentransport (specialist carrier), FĂŒhrungsfahrzeug (Command post) und SanitĂ€tsfahrzeuge (Ambulance). Hinzu kommen ein UnterstĂŒtzungspaket fĂŒr die erste Betriebsphase und AusrĂŒstungssĂ€tze fĂŒr spezielle Missionen. Der Auftragswert wurde mit 3,2 Mrd. Euro angegeben. ZunĂ€chst produzieren Rheinmetall und KNDS Deutschland (ehemals KMW) fĂŒnf Prototypen und liefern sie bis Juni 2022 aus. Der Produktionszeitraum wird sich bis 2031 erstrecken.cite-ref-104[104]
Anfang April 2022 kĂŒndigte der britische Premierminister Boris Johnson an, dass die britischen StreitkrĂ€fte 100 zusĂ€tzliche gepanzerte Fahrzeuge des Typs Boxer erhalten werden, wodurch das britische Boxer-Programm auf insgesamt 623 Fahrzeuge aufgestockt wirdcite-ref-105[105]
Ukraine Ukraine: Die Bundesregierung hat die Lieferung von 18 RCH 155 auf Basis des Boxers im Jahr 2022 genehmigt. Die Lieferung erfolgt ab 2024. Am 16. Februar 2024 kĂŒndigte die Bundesregierung im âMĂŒnchener Paketâ ein zweites Los mit weiteren 18 RCH 155 an, die 2025 bis 2027 geliefert werden sollen.cite-ref-106[106] Im Juni 2024 wurde die Bestellung auf insgesamt 54 Haubitzen erhöht.cite-ref-107[107] Ebenso wurden 9 Rct 30 Systeme fĂŒr die Ukraine angekĂŒndigt.cite-ref-108[108]
Verhandlung gescheitert
Slowenien Slowenien: Im Februar 2018 gab das slowenische Verteidigungsministerium bekannt, den GTK Boxer 8x8 als Basisfahrzeug fĂŒr die Ausstattung eines Infanteriebataillons der Slowenischen Armee ausgewĂ€hlt zu haben. Im September 2022 zog sich die slowenische Regierung aus dem Boxer-Programm zurĂŒck und annullierte den Kauf. Grund hierfĂŒr war die Vorlage eines PrĂŒfberichts ĂŒber die âEffizienz der Beschaffung von 8Ă8-Radkampffahrzeugen fĂŒr die slowenischen StreitkrĂ€fteâ. In dem PrĂŒfbericht des Verteidigungsministeriums wurden vor allem die unvollstĂ€ndigen Vergleiche der vorgelegten Angebote kritisiert.cite-ref-109[109]
Einsatz bei der Bundeswehr
Im MĂ€rz 2011 meldete die Bundeswehr die Ankunft der ersten Boxer beim JĂ€gerbataillon 292 und deren Vorbereitung fĂŒr den Einsatz in Afghanistan.cite-ref-110[110] Auch an die GebirgsjĂ€gerbrigade 23 wurden erste Fahrzeuge ausgeliefert.cite-ref-111[111] Im Juli 2011 wurden die ersten fĂŒnf Boxer in der A1-Version nach Afghanistan verlegt, wo sie am ISAF-Einsatz teilnahmen.cite-ref-modernes-heer-boxer-auf-dem-weg-nach-afghanistan-24-1[24]cite-ref-112[112] Sie wurden dort ab Mitte August 2011 im Raum Masar-e Scharif sowie bis Mitte Juni 2013 am Observation Post North (OP North) in der Provinz Baglan als ErgĂ€nzung zum Transportpanzer Fuchs eingesetzt.cite-ref-113[113] Die Verlegung weiterer 20 GTK Boxer nach Afghanistan gab die Bundeswehr im FrĂŒhjahr 2012 bekannt.cite-ref-114[114]
Laut Jahresbericht 2012 des Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages wurde der Boxer von den Soldaten, abgesehen von Detailfragen, als fĂŒr den Einsatz gut geeignet beurteilt und als Verbesserung empfunden.cite-ref-115[115] 2014 stellte der Inspizient der Bundeswehr laut Presseberichten fest, dass lediglich 70 von 180 Transportpanzern Boxer funktionstĂŒchtig seien, die restlichen 110 zur Instandsetzung bei der HIL.cite-ref-116[116] Laut weiteren Medienberichten von Anfang 2015 und Aussagen von Soldaten sei die vorgesehene Bewaffnung nicht vorhanden gewesen. Weiter wurde berichtet, wĂ€hrend der NATO-Ăbung Noble Ledger in Norwegen, an der sich das Panzergrenadierbataillon 371 aus Marienberg im Rahmen der NATO Response Force beteiligte, sei âdas Rohr an der Waffenanlage des GTK Boxer mit einem schwarz angestrichenen Besenstiel simuliertâ worden. Das Verteidigungsministerium verwies darauf, dass bei der NATO-Ăbung der Transportpanzer als sogenanntes Gefechtsstandfahrzeug eingesetzt wurde und fĂŒr diese Aufgabe eine Bewaffnung nicht erforderlich gewesen sei und auch keine Notwendigkeit bestand, eine Waffenanlage zu simulieren.cite-ref-117[117]cite-ref-118[118]
Literatur
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Weblinks
Commons
: GTK Boxer
â Sammlung von Bildern
âą Website von Artec (englisch)
Einzelnachweise
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